Weintourismus: Wichtiger Wirtschaftsfaktor für Württemberg

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Weinberge im Vordergrund und der Fluss Neckar im Hintergrund.

Erstmals liegen belastbare Zahlen zur wirtschaftlichen Bedeutung des Weintourismus in Württemberg vor. Die Ergebnisse sind eindeutig. Weintourismus ist ein relevanter Wachstumstreiber. Er schafft Wertschöpfung, sichert Einkommen und generiert Arbeitsplätze weit über die Weinbranche hinaus. Die dwif-Studie (dwif Consulting GmbH) wurde von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO) Weinsberg im Rahmen eines vom Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) geförderten Projekts beauftragt.

Die aktuellen Daten zeigen die Dimension deutlich: Im Jahr 2024 wurden rund 8,1 Mio. weintouristische Reisen in Württemberg unternommen. Darunter 4,5 Mio. Tagesausflüge sowie 3,6 Mio. Übernachtungen. Insgesamt ergibt sich daraus ein Umsatz von 801,6 Mio. Euro. Der daraus resultierende Einkommensbeitrag liegt bei 372,2 Mio. Euro. Gemäß der Studie sind über 10.000 Arbeitsplätze direkt vom Weintourismus abhängig. Zusätzlich generiert der Sektor 76,8 Mio. Euro an Steuereinnahmen. Weintourismus ist für viele Weinbaubetriebe längst mehr als ein ergänzendes Angebot. Er fungiert als Vertriebskanal, Imageträger und wirtschaftlicher Stabilitätsfaktor, insbesondere im ländlichen Raum. Gleichzeitig verbindet er Weinwirtschaft, Tourismus, Bevölkerung und Politik.

Zudem reichen die Effekte weit über die Betriebe hinaus. Neben der Weinwirtschaft profitieren insbesondere Gastronomie, Einzelhandel sowie regionale Dienstleister. Auffällig ist die Struktur der Gäste. Rund zwei Drittel stammen aus der Region oder dem näheren Umfeld im Umkreis von 50 Kilometern. Während Übernachtungsgäste im Schnitt 135,90 Euro ausgeben, liegen die Ausgaben von Tagesgästen bei durchschnittlich 68,40 Euro. Die Zahlen zeigen klar: Regionale Zielgruppen sind wichtig, gleichzeitig bieten Übernachtungsgäste ein überdurchschnittliches Wertschöpfungspotenzial.

Inhaltlich verschiebt sich die Nachfrage. Neben dem Thema Wein gewinnen Naturerlebnisse, Kulinarik und authentische Angebote an Bedeutung. Gefragt sind kombinierte Formate wie „Wein und Wandern“, „Wein und Kulinarik“ oder „Wein und Kultur“. Entsprechend planen rund 57 Prozent der Betriebe, ihr weintouristisches Angebot in den kommenden drei Jahren auszubauen. Gleichzeitig stehen die Betriebe vor wachsenden Herausforderungen. Dazu zählen steigende Kosten, bürokratische Anforderungen, verändertes Konsumverhalten sowie die Ansprache neuer Zielgruppen. Diese Rahmenbedingungen bremsen Investitionen und Innovationsfähigkeit und unterstreichen die politische Relevanz des Themas.

Branche sieht Handlungsbedarf

Die Branche sieht hier konkreten Handlungsbedarf: „Die Betriebe sind bereit zu investieren und ihre Angebote weiterzuentwickeln. Dafür brauchen sie verlässliche und praxistaugliche Rahmenbedingungen sowie einen Dialog mit der Verwaltung um bürokratische Hürden abzubauen“, so Dr. Dieter Blankenhorn, Direktor der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO) Weinsberg. „Der Weinbau ist ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor, insbesondere im ländlichen Raum. Er vermittelt Lebensfreude und ermöglicht regionalen Genuss und einen hohen Naherholungswert. Die Stärkung des Weintourismus ist eine große Chance für die Einkommensdiversifizierung unserer Betriebe und bietet gleichzeitig herausragende naturnahe Erlebnisse für Touristen aus nah und fern,“ begrüßt der Präsident des Weinbauverband Württemberg e. V. Dietrich Rembold die Studienergebnisse und fordert gleichzeitig eine verstärkte und aktive Unterstützung bei Genehmigungen bis hin zu Förderungen durch die Landespolitik und Verwaltungsbehörden.

Die Studie liefert erstmals eine fundierte Datengrundlage für die strategische Weiterentwicklung des Weintourismus in Württemberg. Darauf aufbauend verfolgt das Weintourismusprojekt das Ziel, Betriebe gezielt zu unterstützen, Angebote zu entwickeln und zu qualifizieren sowie die Vernetzung zwischen Wein und Tourismus weiter zu stärken. Im Fokus stehen Wissenstransfer, Qualitätssicherung und Kooperationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Die Projektarbeit der LVWO Weinsberg erfolgt in enger Abstimmung mit dem Weinbauverband Württemberg e. V. sowie der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg. Ziel ist es, Württemberg als Weintourismusdestination weiter zu profilieren und zusätzliche Wertschöpfung in der Region und in den Weinbaubetrieben zu generieren.

Die dwif-Studie sowie Informationen zum Weintourismusprojekt Württemberg finden Sie hier.

Die Pressemitteilung ist gemeinsam mit dem Weinbauverband Württemberg verfasst. Folgenden finden Sie die beiden Ansprechpartner:

Ihre Ansprechpartnerin LVWO Weinsberg:
Mara Braun
Tel.: 07134504100

Ihr Ansprechpartner Weinbauverband Württemberg e. V.:
Dr. Hermann Morast
Tel.: 07134527970