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Informationsnachmittag  Brennereiwesen  2020 - Nachhaltig in die Zukunft

Am 15.01.2020 fand an der LVWO Weinsberg ein kostenloser und für die Öffentlichkeit zugänglicher Informationsnachmittag zu Fragen der Zukunft der Kleinbrennereien statt.

Zielgruppen waren Abfindungsbrenner und Stoffbesitzer. Das Programm beinhaltete mit Christine Brugger, Inhaberin der Organic Distillery, einen Praxisbericht einer Kleinbrennerei, die seit vielen Jahren unter Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit produziert und als Demeter Betrieb bemerkenswerte Merkmale aufweist. Nachhaltigkeit schließt dabei alle Teile der Obstwiese ein, wie Blüheinsaaten oder Randbegrünungen. Auch daraus ergeben sich nutzbare Rohstoffe für die Brennerei. Darüber hinaus stellten Jürgen Friz und Dr. Dirk Hofmann eine aus dem Projekt „Kompetenzteam Brennerei“ entstehende Marke zur gemeinschaftlichen Direktvermarktung von Spirituosen aus Kleinbrennereien in Baden-Württemberg vor. Erste Schritte konnten bereits unternommen werden, doch der angestrebte Erfolg in der Fläche kann nur gemeinsam mit vielen Kleinbrennern gelingen. Eine von Nachhaltigkeit geprägte Zukunft kann jedoch nicht nur durch gute Konzepte in der Produktion der Rohstoffe und der Vermarktung gelingen, sondern erfordert auch ein modernes Denken in der Nutzung von Energie, gerade bei energieintensiven Betrieben wie Brennereien. Ein System zur Energierückgewinnung und bereits heute sehr ausgereiften Nutzung dieser Energie konnte Dieter Thoma, Inhaber der Brennerei Thoma, eindrucksvoll vorstellen.

Programm:  Beginn: 13 Uhr; Ende: 16 Uhr

Programm:

Uhrzeit

Programmpunkt

Referenten

13:00-13:05

Begrüßung

Dr. Hofmann

13:05-13:55

Innovative Spirits, Essenzen und Schlüsselaromen aus rein biologischer Produktion –Nachhaltigkeit und Tradition

Christine Brugger,
Organic Distillery

13:55-14:45

Vorstellung Dachmarkenkonzept - Gemeinsam in die Zukunft
Jürgen Friz,
Staatliche LVWO

14:45-15:05

Pause

-

15:05-15:55

Energiemanagement - aktuelle Möglichkeiten zur Optimierung des Carbon Footprint von Brennereien

Dieter Thoma,
Brennerei Thoma

15:55-16:00

Schlusswort

Dr. Hofmann

Die Veranstaltung erreichte über 60 registrierte Besucherinnen und Besucher, welche die Zeit für Fragen und Diskussionen intensiv nutzten. Besonderes Interesse galt dabei der innovativen Kombination von Obststoffen und zusätzlich auf den Obstwiesen kultivierbaren Pflanzen. Dieses Konzept überraschte viele Teilnehmer. Dass daraus Gin-Variationen hergestellt werden können und durch gezielten Anbau von Kräutern und Gewürzen weitere Produkte bis hin zu Essenzen, welche in der Gastronomie oder auch der Bar zum Einsatz kommen, lädt zum Nachdenken ein. Weitere Konzepte werden hoffentlich diesem Vorbild folgen.

Im Verlauf wurde auch klar, dass die gegenwärtige Situation im Handel mit Abfindungsalkohol bereits jetzt zu Spannungen führt, welche ohne Anpassungen in den Rechtsgrundlagen sicher weiter ansteigen werden. Umso mehr sollte der Weg in die Direktvermarktung führen, doch im Rahmen eines Nebenerwerbsmodells ist dies für eine einzelne Abfindungsbrennerei kaum wirtschaftlich darstellbar. Eine Möglichkeit kann der Wechsel in den Verschluss sein, doch dies ist keine Option für alle Abfindungsbrennereien. Dass es anders gehen kann und trotz getrennter Produktion eine gemeinsame Vermarktung gelingen kann zeigten Jürgen Friz und Dr. Dirk Hofmann im Rahmen einer Markenvorstellung. Andere Konzepte, wie „Albgemacht“ oder „Schwäbischer Cider“ zeigen, dass hier viel Potential steckt. Aus rechtlichen Gründen darf der angestrebte Markenname zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht genannt werden. Weitere Informationen hierzu werden folgen. Abfindungsbrennereien, die sich am Vorhaben beteiligen möchten, können sich ab sofort bei Jürgen Friz registrieren lassen.

Brennereibetriebe brauchen Energie. Neben dem Energieinsatz zum Heizen, kommt noch ein Bedarf an Kühlwasser hinzu. Dieses wird in der Regel vollständig verbraucht, im besten Fall in einer Sekundärnutzung zur Reinigung des Gerätes. Doch selbst dann endet Wärmeenergie in der Kanalisation und kann nicht weiter genutzt werden. Die für eine 150 L Brennerei erforderliche Energiemenge kann mit heute verfügbarer Technik zu ca. 60 % wiedergewonnen werden und würde dank Wärmetauscher im Anschluss beispielsweise ein Wohnhaus anteilig beheizen. In besonderen Konstellationen, wie beim Stoffbesitzerbrennen, ergeben sich weiterführende Einspareffekte. Durch Maischevorwärmung, Kühlwasser-Kreislauf mit Wärmerückgewinnung, sowie Einrichtung eines Warmwasserspeichers und Einbau einer Fußbodenheizung oder Kopplung mit einer herkömmlichen Warmwasserheizung, lässt sich die eingesetzte Energie nicht nur rückgewinnen und erneut nutzen, sondern der gesamte Ablauf in der Brennerei optimiert gestalten. Im Ergebnis lässt sich so auch die Anzahl der Abtriebe je Tag steigern. Dies wirkt sich auch ökonomisch aus, so dass den Stoffbesitzern attraktivere Auszahlungspreise angeboten werden können. Neben Einsparung von Heizöl oder Gas resultiert eine höhere Stundenleistung bei der Destillation – dabei wird nicht schneller destilliert, sondern die Aufheizphase verkürzt. Einbußen in der Qualität sind damit ausgeschlossen. Dieter Thoma konnte hierbei sehr eindrücklich zeigen, wie weit diese einfachen Verfahren kombiniert und teilweise automatisiert werden können. Großkonzerne in Schottland haben Ende 2019 erklärt, dass sie innerhalb der nächsten drei Jahre Klimaneutralität in ihren Brennereien erreichen wollen. Dies ist ein weiter Weg zu einem Ziel, welches mit kleinen Brennereien nur schwer erreicht werden kann. Der Ansatz von Dieter Thoma zeigt jedoch, dass ein großer Teil der Strecke bereits heute mit einfachen Mitteln zurückgelegt werden kann.

Im Anschluss an die Veranstaltung wurde wie bereits in den Vorjahren in kleinen Gruppen mit den Referenten weiter diskutiert.

Alle Vorträge können Sie auf dieser Seite herunterladen. Klicken Sie dazu bitte auf die in der obigen Tabelle hinterlegten Links.

Ergänzender Hinweis: Die Videos von Herrn Thoma haben wir auf dieser Seite verknüpft. Beim Klick darauf verlassen Sie unsere Seiten und sehen die Beiträge auf youtube.com.
Video 1, Video 2.

 
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